¹¹·¹ Καὶ ἦν πᾶσα ἡ γῆ χεῖλος ἕν, καὶ φωνὴ μία πᾶσιν.
² καὶ ἐγένετο ἐν τῷ κινῆσαι αὐτοὺς ἀπὸ ἀνατολῶν εὗρον πεδίον ἐν γῇ Σεννααρ καὶ κατῴκησαν ἐκεῖ.
[…]
⁴ καὶ εἶπαν Δεῦτε οἰκοδομήσωμεν ἑαυτοῖς πόλιν καὶ πύργον, οὗ ἡ κεφαλὴ ἔσται ἕως τοῦ οὐρανοῦ, καὶ ποιήσωμεν ἑαυτοῖς ὄνομα πρὸ τοῦ διασπαρῆναι ἐπὶ προσώπου πάσης τῆς γῆς.
[…]
⁶ καὶ εἶπεν κύριος Ἰδοὺ γένος ἓν καὶ χεῖλος ἓν πάντων, καὶ τοῦτο ἤρξαντο ποιῆσαι, καὶ νῦν οὐκ ἐκλείψει ἀπ᾽ αὐτῶν πάντα, ὅσα ἂν ἐπιθῶνται ποιεῖν.
⁷ δεῦτε καὶ καταβάντες συγχέωμεν ἐκεῖ αὐτῶν τὴν γλῶσσαν, ἵνα μὴ ἀκούσωσιν ἕκαστος τὴν φωνὴν τοῦ πλησίον.
[…]
⁹ διὰ τοῦτο ἐκλήθη τὸ ὄνομα αὐτῆς Σύγχυσις, ὅτι ἐκεῖ συνέχεεν κύριος τὰ χείλη πάσης τῆς γῆς, καὶ ἐκεῖθεν διέσπειρεν αὐτοὺς κύριος ὁ θεὸς ἐπὶ πρόσωπον πάσης τῆς γῆς.
Der Turmbau zu Babel
HEΕβραϊκό (Μασοριτικό κείμενο)
¹¹·¹ וַיְהִ֥י כָל־הָאָ֖רֶץ שָׂפָ֣ה אֶחָ֑ת וּדְבָרִ֖ים אֲחָדִֽים׃
² וַֽיְהִ֖י בְּנָסְעָ֣ם מִקֶּ֑דֶם וַֽיִּמְצְא֥וּ בִקְעָ֛ה בְּאֶ֥רֶץ שִׁנְעָ֖ר וַיֵּ֥שְׁבוּ שָֽׁם׃
[…]
⁴ וַיֹּאמְר֞וּ הָ֣בָה ׀ נִבְנֶה־לָּ֣נוּ עִ֗יר וּמִגְדָּל֙ וְרֹאשׁ֣וֹ בַשָּׁמַ֔יִם וְנַֽעֲשֶׂה־לָּ֖נוּ שֵׁ֑ם פֶּן־נָפ֖וּץ עַל־פְּנֵ֥י כָל־הָאָֽרֶץ׃
[…]
⁶ וַיֹּ֣אמֶר יְהוָ֗ה הֵ֣ן עַ֤ם אֶחָד֙ וְשָׂפָ֤ה אַחַת֙ לְכֻלָּ֔ם וְזֶ֖ה הַחִלָּ֣ם לַעֲשׂ֑וֹת וְעַתָּה֙ לֹֽא־יִבָּצֵ֣ר מֵהֶ֔ם כֹּ֛ל אֲשֶׁ֥ר יָזְמ֖וּ לַעֲשֽׂוֹת׃
⁷ הָ֚בָה נֵֽרְדָ֔ה וְנָבְלָ֥ה שָׁ֖ם שְׂפָתָ֑ם אֲשֶׁר֙ לֹ֣א יִשְׁמְע֔וּ אִ֖ישׁ שְׂפַ֥ת רֵעֵֽהוּ׃
[…]
⁹ עַל־כֵּ֞ן קָרָ֤א שְׁמָהּ֙ בָּבֶ֔ל כִּי־שָׁ֛ם בָּלַ֥ל יְהוָ֖ה שְׂפַ֣ת כָּל־הָאָ֑רֶץ וּמִשָּׁ֗ם הֱפִיצָ֤ם יְהוָה֙ עַל־פְּנֵ֖י כָל־הָאָֽרֶץ׃
APPΥπόμνημα (BHS / BHQ) 5
- Gen 11,1 שָׂפָה אֶחָת וּדְבָרִים אֲחָדִים — Doppel-Ausdruck „eine Lippe und einerlei Worte" — semantischer Pleonasmus typisch fuer J-Stil. LXX **χεῖλος ἕν, καὶ φωνὴ μία** uebersetzt `safah` mit `cheilos` (Lippe) — woertliche Wiedergabe statt freierer `glossa`. Hieronymus V `labium unum, sermones eosdem` haelt sich an LXX. Die LXX-Wahl `cheilos` motiviert die spaetere patristische Allegorese (Cyrill, Augustin) auf das „eine Bekenntnis" der Voelker.
- Gen 11,4 וְנַעֲשֶׂה־לָּנוּ שֵׁם — J-Schluessel-Vers: `naʿaseh lanu shem` — „wir wollen uns einen Namen machen". Direkter Echo-Kontrast zu Gen 12,2 (`waʾaʿaseh shimkha gadol` — „ich will deinen Namen groß machen"): was die Babel-Erbauer sich selbst zu schaffen versuchen, bekommt Abram als Verheissung. LXX `ποιήσωμεν ἑαυτοῖς ὄνομα` exakt; V `celebremus nomen nostrum` interpretierend.
- Gen 11,7 הָבָה נֵרְדָה וְנָבְלָה — Plurale Selbst-Aufforderung Gottes (`naredah, navlah`) — parallel zu Gen 1,26 (`naʿaseh adam`) und Gen 3,22 (`hayah ke-achad mimmenu`). Patristische Trinitaets-Auslegung (Augustin De civ. Dei XVI,4); juedisch-mittelalterliche Lesung als pluralis maiestatis oder Gott mit den Engeln (Raschi). Wortspiel `navlah` (verwirren) — `Bavel` (Babel) ist im hebraeischen unueberhoerbar; LXX `συγχέωμεν` mit `Σύγχυσις` (V. 9) erhaelt das Wortspiel im Griechischen, V mit `confundamus`/`Babel` verliert es.
- Gen 11,9 בָּבֶל כִּי־שָׁם בָּלַל יְהוָה — Volksetymologie `Bavel` ‹ `balal` (verwirren). Akkadisch tatsaechlich `bab-ilim` („Tor des Gottes") — der biblische Erzaehler nutzt eine **bewusst polemische Gegen-Etymologie**. LXX **Σύγχυσις** uebersetzt sogar den Namen selbst (eine der seltenen LXX-Stellen, wo ein Eigenname uebersetzt statt transliteriert wird). V haelt `Babel` als Transliteration mit Erklaerung.
- Gen 11,2 מִקֶּדֶם — MT „nach Osten" (von einem westlichen Standort aus) oder „aus dem Osten" (Bewegungsrichtung). LXX `ἀπὸ ἀνατολῶν` macht die Mehrdeutigkeit eindeutig: „aus dem Osten" — Wanderung in Richtung Westen, was gut zur Lokalisierung Schinars (Suedmesopotamien) passt. V `de oriente` mit LXX. Wichtig fuer die Geographie der Urgeschichte: Eden im Osten (Gen 2,8), Vertreibung nach Osten (Gen 3,24), Kain im Osten (Gen 4,16), Babel-Wanderung **vom** Osten — eine literarische Bewegungs-Choreographie.
LXXἙβδομήκοντα
¹¹·¹ Καὶ ἦν πᾶσα ἡ γῆ χεῖλος ἕν, καὶ φωνὴ μία πᾶσιν.
[…]
⁹ διὰ τοῦτο ἐκλήθη τὸ ὄνομα αὐτῆς Σύγχυσις, ὅτι ἐκεῖ συνέχεεν κύριος τὰ χείλη πάσης τῆς γῆς, καὶ ἐκεῖθεν διέσπειρεν αὐτοὺς κύριος ὁ θεὸς ἐπὶ πρόσωπον πάσης τῆς γῆς.
TRΜεταφράσεις
¹¹·¹ Und die ganze Erde hatte eine Sprache und einerlei Worte.
² Und es geschah, als sie nach Osten zogen, da fanden sie eine Ebene im Land Schinar und ließen sich dort nieder.
[…]
⁴ Und sie sprachen: Wohlan, wir wollen uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reicht, und uns einen Namen machen, daß wir nicht zerstreut werden über die ganze Erde!
[…]
⁶ Und der HERR sprach: Siehe, ein Volk sind sie, und eine Sprache haben sie alle, und dies ist erst der Anfang ihres Tuns; und nun wird ihnen nichts unausführbar sein, was sie zu tun ersinnen.
⁷ Wohlan, laßt uns herabfahren und ihre Sprache dort verwirren, daß sie einer des andern Sprache nicht mehr verstehen!
[…]
⁹ Darum nannte man ihren Namen Babel; denn dort hat der HERR die Sprache der ganzen Erde verwirrt, und von dort hat der HERR sie zerstreut über die ganze Erde.
¹¹·¹ Now the whole earth used the same language and the same words.
² And it came about as they journeyed east, that they found a plain in the land of Shinar and settled there.
[…]
⁴ And they said, "Come, let us build for ourselves a city, and a tower whose top will reach into heaven, and let us make for ourselves a name; otherwise we will be scattered abroad over the face of the whole earth."
[…]
⁶ And the LORD said, "Behold, they are one people, and they all have the same language. And this is what they began to do, and now nothing which they purpose to do will be impossible for them."
⁷ "Come, let Us go down and there confuse their language, that they may not understand one another's speech."
[…]
⁹ Therefore its name was called Babel, because there the LORD confused the language of the whole earth; and from there the LORD scattered them abroad over the face of the whole earth.
KKΚριτικά υπομνήματα 5
- Claus Westermann, Genesis 1–11 (BKAT I/1) (1974), 709–745 — Maßgebliche literarkritische Analyse — J-Einzelerzaehlung als Abschluss der Urgeschichte, vor dem Uebergang zur Vaetergeschichte (Gen 12).
- Gordon J. Wenham, Genesis 1–15 (WBC 1) (1987), 234–248
- John Skinner, Genesis (ICC) (1910), 223–235
- Konrad Schmid, Genesis (Anchor Yale Bible) (2024), 415–445 — Aktueller Stand — Babel als J-Schluss-Pointe der Urgeschichte und Brueckenstelle zur Vaetergeschichte.
- Theodore Hiebert, The Tower of Babel and the Origin of the World's Cultures (JBL 126 (2007), 29–58) — Gegenposition zur klassischen „Stolz und Strafe"-Lesart: Hiebert versteht die Erzaehlung als positive Erklaerung der kulturellen Vielfalt, nicht als Gericht.
KATΣειρές (Catenae) 4
- Catena in Genesim (Petit) (TEG 3, ad Gen 11,1-9) — Origenes (Allegorie der Sprachen-Verwirrung als Abkehr von der einen Erkenntnis), Eusebius, Chrysostomus, Severus.
- Procopius Gazaeus, Commentarii in Genesim (PG 87,1, ad Gen 11)
- Augustinus, De civitate Dei XVI,4 (CCSL 48) — Klassischer Locus der lateinischen Babel-Auslegung — Babel als civitas terrena, Pfingsten als civitas Dei in der Sprache.
- Ephraem Syrus, Commentarius in Genesim (CSCO 152/153, ad loc.)
EXΕρμηνευτικά υπομνήματα 5
- Gerhard von Rad, Das erste Buch Mose: Genesis (ATD 2/4) (1949 (9. Aufl. 1972)), 120–127
- Walter Brueggemann, Genesis (Interpretation) (1982), 97–104
- Nahum M. Sarna, Genesis (JPS Torah Commentary) (1989), 80–84
- Bruce K. Waltke, Genesis: A Commentary (2001), 175–185
- Terence E. Fretheim, Genesis (New Interpreter's Bible 1) (1994), 411–415
§A 6 schliesst die **Urgeschichte (Gen 1–11)** als J-Schluss-Pointe ab. Mit Gen 11,9 endet die universale Vor-Geschichte; ab Gen 12 (Berufung Abrams) beginnt die partikulare Vaeter- und Volks-Geschichte Israels. Literarisch ist Gen 11,1-9 ein dreifach kunstvoll aufgebauter Text: - **Wortspiel-Konzentration**: `navnah` (lasst uns bauen) ‖ `navlah` (lasst uns verwirren); `shem` (Name) ‖ `sham` (dort); `Bavel` ‖ `balal`. - **Spiegelstruktur**: Aufstieg der Menschen (V. 1-4) ↔ Abstieg Gottes (V. 5-9); ihre Plaene (V. 4) ↔ deren Vereitelung (V. 7-8). - **Ironie**: Sie wollen einen Turm bauen, „dessen Spitze bis an den Himmel reicht" — und JHWH muss „herabfahren", um ihn ueberhaupt zu sehen (V. 5). Textkritisch markante Punkte: - LXX **Σύγχυσις** (V. 9) **uebersetzt** den Namen statt zu transliterieren — selten in der Septuaginta. Tradition haelt am transliterierten `Babel` (V) bzw. `Babylon` fest. - Plurale Gottes-Selbstaufforderung (V. 7) parallel zu Gen 1,26 / 3,22 — patristisch trinitarisch ausgelegt. Keine AT-Parallele. NT-Echos: - **Apg 2,1-13** (Pfingsten) — Sprachenrede als eschatologische Umkehr Babels: was hier zerstreute, wird dort verstaendlich gemacht. Klassische patristische Lesart (Cyrill v. Jerusalem, Catech. 17, Augustin Sermo 271). - **Offb 17–18** — Babel als Bild der eschatologischen Welt-Stadt im Gegensatz zum himmlischen Jerusalem.