¹²·¹ Καὶ εἶπεν κύριος τῷ Αβραμ Ἔξελθε ἐκ τῆς γῆς σου καὶ ἐκ τῆς συγγενείας σου καὶ ἐκ τοῦ οἴκου τοῦ πατρός σου εἰς τὴν γῆν, ἣν ἄν σοι δείξω·
² καὶ ποιήσω σε εἰς ἔθνος μέγα καὶ εὐλογήσω σε καὶ μεγαλυνῶ τὸ ὄνομά σου, καὶ ἔσῃ εὐλογητός·
³ καὶ εὐλογήσω τοὺς εὐλογοῦντάς σε, καὶ τοὺς καταρωμένους σε καταράσομαι· καὶ ἐνευλογηθήσονται ἐν σοὶ πᾶσαι αἱ φυλαὶ τῆς γῆς.
⁴ καὶ ἐπορεύθη Αβραμ, καθάπερ ἐλάλησεν αὐτῷ κύριος, καὶ ᾤχετο μετ᾽ αὐτοῦ Λωτ· Αβραμ δὲ ἦν ἐτῶν ἑβδομήκοντα πέντε, ὅτε ἐξῆλθεν ἐκ Χαρραν.
[…]
⁷ καὶ ὤφθη κύριος τῷ Αβραμ καὶ εἶπεν αὐτῷ Τῷ σπέρματί σου δώσω τὴν γῆν ταύτην. καὶ ᾠκοδόμησεν ἐκεῖ Αβραμ θυσιαστήριον κυρίῳ τῷ ὀφθέντι αὐτῷ.
[…]
⁹ καὶ ἀπῆρεν Αβραμ καὶ πορευθεὶς ἐστρατοπέδευσεν ἐν τῇ ἐρήμῳ.
Die Berufung Abrams
HEעברית (נוסח המסורה)
¹²·¹ וַיֹּאמֶר יְהוָה אֶל־אַבְרָם לֶךְ־לְךָ מֵאַרְצְךָ וּמִמּוֹלַדְתְּךָ וּמִבֵּית אָבִיךָ אֶל־הָאָרֶץ אֲשֶׁר אַרְאֶךָּ׃
² וְאֶעֶשְׂךָ לְגוֹי גָּדוֹל וַאֲבָרֶכְךָ וַאֲגַדְּלָה שְׁמֶךָ וֶהְיֵה בְּרָכָה׃
³ וַאֲבָרֲכָה מְבָרֲכֶיךָ וּמְקַלֶּלְךָ אָאֹר וְנִבְרְכוּ בְךָ כֹּל מִשְׁפְּחֹת הָאֲדָמָה׃
⁴ וַיֵּלֶךְ אַבְרָם כַּאֲשֶׁר דִּבֶּר אֵלָיו יְהוָה וַיֵּלֶךְ אִתּוֹ לוֹט וְאַבְרָם בֶּן־חָמֵשׁ שָׁנִים וְשִׁבְעִים שָׁנָה בְּצֵאתוֹ מֵחָרָן׃
[…]
⁷ וַיֵּרָא יְהוָה אֶל־אַבְרָם וַיֹּאמֶר לְזַרְעֲךָ אֶתֵּן אֶת־הָאָרֶץ הַזֹּאת וַיִּבֶן שָׁם מִזְבֵּחַ לַיהוָה הַנִּרְאֶה אֵלָיו׃
[…]
⁹ וַיִּסַּע אַבְרָם הָלוֹךְ וְנָסוֹעַ הַנֶּגְבָּה׃
APPמנגנון (BHS / BHQ) 5
- Gen 12,1 לֶךְ־לְךָ — Beruehmtester Imperativ-Satz der ganzen Tora — `lekh-lekha`, woertlich „geh fuer dich" oder „geh zu dir selbst". Die Doppel-Form ist textkritisch unproblematisch (alle Zeugen einig), aber **interpretatorisch reichste**: Raschi (mittelalterlich-juedisch) liest „geh zu deinem Wohl" (`le-tovatkha`); Maimonides + spaetere chassidische Exegese (Sefat Emet) lesen „geh zu deinem wahren Selbst" — die Reise nach Kanaan als geistige Selbst-Erkenntnis. LXX `Ἔξελθε` (Imperativ Aorist) glaettet das hebraeische Idiom; V `egredere` ebenfalls. NT-Zitation Apg 7,3 (Stephanus-Rede) und Hebr 11,8 verwendet die LXX-Form.
- Gen 12,3 וְנִבְרְכוּ בְךָ כֹּל מִשְׁפְּחֹת הָאֲדָמָה — **Klassische Niphal/Hithpael-Variante**: MT hat `nivrekhu` (Niphal — Passiv „sie werden gesegnet sein") in Gen 12,3 + 18,18 + 28,14, aber Gen 22,18 + 26,4 lesen `hithbarakhu` (Hithpael — Reflexiv „sie werden sich segnen mit deinem Namen"). LXX vereinheitlicht alle fuenf Stellen zu **`enevlogethesontai`** (Passiv) — theologisch wichtig, da Paulus in **Gal 3,8** die Pericope als „die Schrift hat im Voraus dem Abraham das Evangelium verkuendet" zitiert mit der Passiv-Form. Reformatorische Auslegung (Calvin, Beza) folgt LXX/Paulus. Juedische und spaet-protestantische Exegese (Schoettgen) hat die reflexive Lesung verteidigt.
- Gen 12,4 אַבְרָם בֶּן־חָמֵשׁ שָׁנִים וְשִׁבְעִים שָׁנָה — MT „75 Jahre" = LXX `ἑβδομήκοντα πέντε`. Diese Zahl ist textkritisch unproblematisch und bildet die Grundlage der **biblischen Chronologie der Vaetergeschichte**: Apg 7,4 (Stephanus) zitiert sie indirekt (Wegzug nach Tod des Vaters Terach). Aber: Apg 7,4 in Verbindung mit Gen 11,26 + 11,32 + 12,4 wirft die klassische **Stephanus-Chronologie-Frage** auf (Terach 70 Jahre alt bei Abrams Geburt + Abram 75 bei Wegzug = Terach 145, aber Gen 11,32 sagt Terach starb mit 205 — also lebte er noch 60 Jahre nach Abrams Wegzug). Klassische Lösung: SamP liest Terachs Sterbealter als 145 statt 205 — interessanterweise macht das die Stephanus-Aussage konsistent.
- Gen 12,7 לְזַרְעֲךָ אֶתֵּן אֶת־הָאָרֶץ הַזֹּאת — Erste **Land-Verheissung** im Tora-Kanon (vgl. Gen 12,1 mit `el ha-aretz asher arekha` = Verheissung der Bewegung; Gen 12,7 mit `et ha-aretz ha-zot` = Verheissung des konkreten Ortes nach Ankunft). LXX `τῷ σπέρματί σου` — `zera` einfach Singular „Same/Nachkomme(n)", grammatisch ambig (Kollektiv oder Individuum). Paulus in **Gal 3,16** baut seine Christologie auf der Singular-Lesung auf: „nicht: den Nachkommen [Plural], sondern: deinem Nachkommen [Singular] — der ist Christus." Eine der textkritisch bedeutsamsten paulinischen Schrift-Auslegungen ueberhaupt.
- Gen 12,6 וְהַכְּנַעֲנִי אָז בָּאָרֶץ — MT V. 6 Schluss-Klausel „und der Kanaaniter war damals im Land" — eine der **klassischen Stellen der historisch-kritischen Pentateuch-Forschung**: das `az` („damals") setzt einen Erzaehler voraus, der nach dem Ende der kanaanitischen Praesenz schreibt (Eroberung Kanaans 13./12. Jh. v. Chr.) — d.h. der Erzaehler-Standpunkt liegt jahrhunderte NACH Mose. Schon Ibn Esra (12. Jh.!) bemerkte diese Spannung („`Sod ha-Shneim Asar`" — das Geheimnis der Zwoelf), Spinoza (Tractatus Theologico-Politicus 1670) machte daraus das Argument fuer mosaische Verfasserschaft als „uneinsichtig". Klassische Wellhausen-Position: J-Quelle (10./9. Jh.). LXX `οἱ δὲ Χαναναῖοι τότε κατῴκουν τὴν γῆν` exakt parallel — kein Glaettungs-Versuch der Septuaginta.
LXXתרגום השבעים
¹²·¹ Καὶ εἶπεν κύριος τῷ Αβραμ Ἔξελθε ἐκ τῆς γῆς σου καὶ ἐκ τῆς συγγενείας σου καὶ ἐκ τοῦ οἴκου τοῦ πατρός σου εἰς τὴν γῆν, ἣν ἄν σοι δείξω·
[…]
³ καὶ εὐλογήσω τοὺς εὐλογοῦντάς σε, καὶ τοὺς καταρωμένους σε καταράσομαι· καὶ ἐνευλογηθήσονται ἐν σοὶ πᾶσαι αἱ φυλαὶ τῆς γῆς.
TRתרגומים
¹²·¹ Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde!
² Und ich will dich zu einer großen Nation machen, und ich will dich segnen, und ich will deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein!
³ Und ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde!
⁴ Und Abram ging hin, wie der HERR zu ihm geredet hatte, und Lot ging mit ihm. Abram aber war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran zog.
[…]
⁷ Und der HERR erschien dem Abram und sprach: Deinen Nachkommen will ich dieses Land geben. Und er baute dort dem HERRN, der ihm erschienen war, einen Altar.
[…]
⁹ Und Abram brach auf und zog immer weiter in den Negev.
¹²·¹ Now the LORD said to Abram, "Go forth from your country, and from your relatives and from your father's house, to the land which I will show you;
² and I will make you a great nation, and I will bless you, and make your name great; and so you shall be a blessing;
³ and I will bless those who bless you, and the one who curses you I will curse. And in you all the families of the earth will be blessed."
⁴ So Abram went forth as the LORD had spoken to him; and Lot went with him. Now Abram was seventy-five years old when he departed from Haran.
[…]
⁷ The LORD appeared to Abram and said, "To your descendants I will give this land." So he built an altar there to the LORD who had appeared to him.
[…]
⁹ Abram journeyed on, continuing toward the Negev.
KKפירושים ביקורתיים 6
- Claus Westermann, Genesis 12–36 (BKAT I/2) (1981), 163–192 — Maßgebliche Auslegung der Berufungs-Pericope als programmatische Eroeffnung der Vaetergeschichte; literarkritische Diskussion der Verheissungs-Trias (Land/Volk/Segen) als J-Theologie.
- Gordon J. Wenham, Genesis 1–15 (WBC 1) (1987), 265–286
- John Skinner, Genesis (ICC) (1910), 237–252
- Ronald Hendel, Genesis 1–11 + 12–25 (Anchor Yale Bible) (kommend (Ankuendigung 2025-26)) — AYB-Genesis-Reihe in zwei Baenden — der zweite Band wird Berufungs- und Vaetergeschichte abdecken.
- Hermann Gunkel, Genesis (HKAT) (1901 (3. Aufl. 1910)), 163–172 — Klassiker der Form- und Sagen-Kritik — Gunkel liest Gen 12,1-3 als programmatische Brucke zwischen Sagen-Sammlung und theologischer Interpretation des J-Erzaehlers.
- Reinhard G. Kratz, Die Komposition der erzählenden Bücher des Alten Testaments (2000), 260–275 — Aktuelle Pentateuch-Forschung nach der Wellhausen-Krise — Kratz liest Gen 12,1-3 als post-priesterschriftliche Komposition zwischen Urgeschichte und Vaeter-Zyklus.
KATקַטֵנוֹת 4
- Catena in Genesim (Petit) (TEG 4, ad Gen 12,1-9) — Origenes (Berufung als Typos der christlichen Bekehrung), Eusebius (in der Demonstratio Evangelica zentral fuer die Voelker-Segnungs-Theologie), Chrysostomus, Severus.
- Hieronymus, Quaestiones hebraicae in Genesim (CCSL 72, ad Gen 12,1ff) — Hieronymus diskutiert das `lekh-lekha`-Idiom mit eigener Hebraeisch-Beobachtung.
- Augustinus, De civitate Dei XVI,15-17 (CCSL 48) — Klassisch lateinisch — Berufung Abrams als Beginn der Heilsgeschichte (heilsgeschichtliche Sukzession der `civitas Dei` von Adam → Noach → Abraham → Israel → Kirche).
- Beresheet Rabba 39 ((Theodor-Albeck-Edition)) — Klassische rabbinische Auslegung — Abraham als erster Konvertit (`ger`); das `lekh-lekha` als Gott's Aufruf zur Trennung vom Goetzendienst des Vater-Hauses (Bezug auf juedische Abraham-Legenden, vgl. Buch der Jubilaeen 11-12).
EXפירושים אקסגטיים 5
- Gerhard von Rad, Das erste Buch Mose: Genesis (ATD 2/4) (1949 (9. Aufl. 1972)), 120–135 — Klassische theologische Auslegung — von Rad liest Gen 12,1-3 als programmatische Eroeffnung des Heils-Hexateuchs.
- Walter Brueggemann, Genesis (Interpretation) (1982), 105–124
- Nahum M. Sarna, Genesis (JPS Torah Commentary) (1989), 85–95 — Juedische Auslegung mit ausfuehrlicher Diskussion der `lekh-lekha`-Mystik (chassidische Auslegung Sefat Emet) und der Niphal/Hithpael-Variante in V. 3.
- Bruce K. Waltke, Genesis: A Commentary (2001), 199–215
- Terence E. Fretheim, Genesis (New Interpreter's Bible 1) (1994), 419–434
§A 8 markiert den **heilsgeschichtlichen Wendepunkt der ganzen Tora** — von der universalen Vor-Geschichte (Gen 1–11) zur partikularen Heilsgeschichte mit dem einen Volk Israel. Die Verheissungs-Trias V. 2-3 (Land — Volk — Segen) wird in der ganzen weiteren Vaeter-, Mose- und Königs-Geschichte fortgeschrieben. Drei textkritisch und theologisch zentrale Punkte: - **`lekh-lekha`** (V. 1) — der idiomatische Doppel-Imperativ ist der bekannteste Tora-Satz ueberhaupt. Juedische Auslegung (Raschi → Sefat Emet) liest den reflexiven Aspekt; LXX und V glaetten zu einfachem „Geh fort". - **`nivrekhu` vs `hithbarakhu`** (V. 3) — Niphal/Hithpael-Variante bestimmt die theologische Auslegung: Passiv (Voelker-Segnung DURCH Abraham, christliche Heilsgeschichts-Theologie ueber Paulus Gal 3,8) oder Reflexiv (Voelker werden sich SELBST mit Abraham segnen, juedische Bundes-Theologie). LXX entscheidet konsequent fuer Passiv. - **`zera` Singular** (V. 7) — Land-Verheissung an „den Samen"; Paulus baut in Gal 3,16 auf der Singular-Lesung seine Christologie auf. Plus die **klassische Spinoza-Stelle** V. 6 („und der Kanaaniter war damals im Land") als Beweis fuer post-mosaische Verfasserschaft — historisch der Anstoss zur historisch-kritischen Pentateuch-Forschung seit Ibn Esra → Spinoza → Wellhausen. Keine AT-Parallele. NT-Echos sind reichlich: - **Apg 7,2-5** (Stephanus-Rede) — paraphrasiert die Berufung inkl. Chronologie-Problem (Wegzug erst nach Tod des Vaters). - **Roem 4** und **Gal 3** (Paulus) — Abraham als Vater des Glaubens, Verheissung VOR dem Gesetz. - **Gal 3,8** zitiert V. 3 als „die Schrift verkuendet im Voraus das Evangelium". - **Gal 3,16** zitiert V. 7 mit der Singular-`zera`-Lesung als christologisches Argument. - **Hebr 11,8-19** — Abraham als Glaubens-Held, der „auszog, nicht wissend wohin er kam". - **Jak 2,21-23** — Abraham als Beispiel der Werk-Glaubens-Einheit.