²²·¹ Καὶ ἐγένετο μετὰ τὰ ῥήματα ταῦτα ὁ θεὸς ἐπείραζεν τὸν Αβρααμ καὶ εἶπεν πρὸς αὐτόν Αβρααμ, Αβρααμ· ὁ δὲ εἶπεν Ἰδοὺ ἐγώ.
² καὶ εἶπεν Λαβὲ τὸν υἱόν σου τὸν ἀγαπητόν, ὃν ἠγάπησας, τὸν Ισαακ, καὶ πορεύθητι εἰς τὴν γῆν τὴν ὑψηλὴν καὶ ἀνένεγκον αὐτὸν ἐκεῖ εἰς ὁλοκάρπωσιν ἐφ' ἓν τῶν ὀρέων, ὧν ἄν σοι εἴπω.
[…]
⁷ εἶπεν δὲ Ισαακ πρὸς Αβρααμ τὸν πατέρα αὐτοῦ εἴπας Πάτερ. ὁ δὲ εἶπεν Τί ἐστιν, τέκνον; λέγων Ἰδοὺ τὸ πῦρ καὶ τὰ ξύλα· ποῦ ἐστιν τὸ πρόβατον τὸ εἰς ὁλοκάρπωσιν;
⁸ εἶπεν δὲ Αβρααμ Ὁ θεὸς ὄψεται ἑαυτῷ πρόβατον εἰς ὁλοκάρπωσιν, τέκνον. πορευθέντες δὲ ἀμφότεροι ἅμα
[…]
¹¹ καὶ ἐκάλεσεν αὐτὸν ἄγγελος κυρίου ἐκ τοῦ οὐρανοῦ καὶ εἶπεν αὐτῷ Αβρααμ, Αβρααμ. ὁ δὲ εἶπεν Ἰδοὺ ἐγώ.
¹² καὶ εἶπεν Μὴ ἐπιβάλῃς τὴν χεῖρά σου ἐπὶ τὸ παιδάριον μηδὲ ποιήσῃς αὐτῷ μηδέν· νῦν γὰρ ἔγνων ὅτι φοβῇ τὸν θεὸν σὺ καὶ οὐκ ἐφείσω τοῦ υἱοῦ σου τοῦ ἀγαπητοῦ δι' ἐμέ.
¹³ καὶ ἀναβλέψας Αβρααμ τοῖς ὀφθαλμοῖς αὐτοῦ εἶδεν, καὶ ἰδοὺ κριὸς εἷς κατεχόμενος ἐν φυτῷ σαβεκ τῶν κεράτων· καὶ ἐπορεύθη Αβρααμ καὶ ἔλαβεν τὸν κριὸν καὶ ἀνήνεγκεν αὐτὸν εἰς ὁλοκάρπωσιν ἀντὶ Ισαακ τοῦ υἱοῦ αὐτοῦ.
¹⁴ καὶ ἐκάλεσεν Αβρααμ τὸ ὄνομα τοῦ τόπου ἐκείνου Κύριος εἶδεν, ἵνα εἴπωσιν σήμερον Ἐν τῷ ὄρει κύριος ὤφθη.
[…]
¹⁸ καὶ ἐνευλογηθήσονται ἐν τῷ σπέρματί σου πάντα τὰ ἔθνη τῆς γῆς, ἀνθ' ὧν ὑπήκουσας τῆς ἐμῆς φωνῆς.
Die Bindung Isaaks (Akeda)
HEΕβραϊκό (Μασοριτικό κείμενο)
²²·¹ וַיְהִי אַחַר הַדְּבָרִים הָאֵלֶּה וְהָאֱלֹהִים נִסָּה אֶת־אַבְרָהָם וַיֹּאמֶר אֵלָיו אַבְרָהָם וַיֹּאמֶר הִנֵּנִי׃
² וַיֹּאמֶר קַח־נָא אֶת־בִּנְךָ אֶת־יְחִידְךָ אֲשֶׁר־אָהַבְתָּ אֶת־יִצְחָק וְלֶךְ־לְךָ אֶל־אֶרֶץ הַמֹּרִיָּה וְהַעֲלֵהוּ שָׁם לְעֹלָה עַל אַחַד הֶהָרִים אֲשֶׁר אֹמַר אֵלֶיךָ׃
[…]
⁷ וַיֹּאמֶר יִצְחָק אֶל־אַבְרָהָם אָבִיו וַיֹּאמֶר אָבִי וַיֹּאמֶר הִנֶּנִּי בְנִי וַיֹּאמֶר הִנֵּה הָאֵשׁ וְהָעֵצִים וְאַיֵּה הַשֶּׂה לְעֹלָה׃
⁸ וַיֹּאמֶר אַבְרָהָם אֱלֹהִים יִרְאֶה־לּוֹ הַשֶּׂה לְעֹלָה בְּנִי וַיֵּלְכוּ שְׁנֵיהֶם יַחְדָּו׃
[…]
¹¹ וַיִּקְרָא אֵלָיו מַלְאַךְ יְהוָה מִן־הַשָּׁמַיִם וַיֹּאמֶר אַבְרָהָם אַבְרָהָם וַיֹּאמֶר הִנֵּנִי׃
¹² וַיֹּאמֶר אַל־תִּשְׁלַח יָדְךָ אֶל־הַנַּעַר וְאַל־תַּעַשׂ לוֹ מְאוּמָה כִּי עַתָּה יָדַעְתִּי כִּי־יְרֵא אֱלֹהִים אַתָּה וְלֹא חָשַׂכְתָּ אֶת־בִּנְךָ אֶת־יְחִידְךָ מִמֶּנִּי׃
¹³ וַיִּשָּׂא אַבְרָהָם אֶת־עֵינָיו וַיַּרְא וְהִנֵּה־אַיִל אַחַר נֶאֱחַז בַּסְּבַךְ בְּקַרְנָיו וַיֵּלֶךְ אַבְרָהָם וַיִּקַּח אֶת־הָאַיִל וַיַּעֲלֵהוּ לְעֹלָה תַּחַת בְּנוֹ׃
¹⁴ וַיִּקְרָא אַבְרָהָם שֵׁם־הַמָּקוֹם הַהוּא יְהוָה יִרְאֶה אֲשֶׁר יֵאָמֵר הַיּוֹם בְּהַר יְהוָה יֵרָאֶה׃
[…]
¹⁸ וְהִתְבָּרֲכוּ בְזַרְעֲךָ כֹּל גּוֹיֵי הָאָרֶץ עֵקֶב אֲשֶׁר שָׁמַעְתָּ בְּקֹלִי׃
APPΥπόμνημα (BHS / BHQ) 7
- Gen 22,2 אֶרֶץ הַמֹּרִיָּה — MT `eretz ha-Moriyyah` «Land Morija» — Identifikation mit dem **Tempelberg in Jerusalem** explizit nur in 2Chr 3,1 («auf dem Berg Morija, wo JHWH seinem Vater David erschienen war, an dem Ort, den David bestimmt hatte, auf der Tenne Ornans des Jebusiters»). LXX Rahlfs liest `τὴν γῆν τὴν ὑψηλὴν` («ins hohe Land») — keine Eigennamens-Wiedergabe. Wevers Gen-App. (Goettingen 1974) verzeichnet Varianten `Μωρια` (einige Mss) und `Αμωρια` (Hexapla-Lesarten — vermutlich nach Symmachus / Aquila als Transkription des hebr. Eigennamens). Targum Onkelos `arʿa pulchanaʾ` («Land der Anbetung»); Targum Pseudo-Jonathan explizit «Land Morija, wo das Heiligtum erbaut werden soll». Samaritanischer Pentateuch + Sam-Tradition lokalisiert dagegen am **Berg Garizim**. Patristik (Origenes Hom. in Gen. VIII,1; Hieronymus QHG ad loc.) folgt 2Chr 3,1 = Tempelberg = Golgota-Typos.
- Gen 22,2 אֶת־בִּנְךָ אֶת־יְחִידְךָ אֲשֶׁר־אָהַבְתָּ — MT-Trikolon «deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst» — LXX `τὸν υἱόν σου τὸν ἀγαπητόν, ὃν ἠγάπησας` schlaegt `yachid` («einzig») mit `ἀγαπητός` («geliebt») wieder. Diese **LXX-Praegung `ho agapetos` («der Geliebte/Einziggeborene»)** ist sprachgeschichtlich entscheidend: dasselbe Adjektiv wird in der Synoptiker-Taufe und Verklaerungs-Stimme verwendet (Mk 1,11 ‖ Mt 3,17 ‖ Lk 3,22; Mk 9,7 ‖ Mt 17,5 ‖ Lk 9,35) `οὗτός ἐστιν ὁ υἱός μου ὁ ἀγαπητός` — patristisch als direkte Akeda-Anspielung gedeutet (Origenes Comm. in Joh. I,29; Justin Dial. 88). Die Bezugnahme stuetzt die christologische Sohn-Opferungs-Typologie.
- Gen 22,8 אֱלֹהִים יִרְאֶה־לּוֹ הַשֶּׂה לְעֹלָה — MT `Elohim yirʾeh-lo ha-seh leʿolah` «Gott wird sich das Schaf zum Brandopfer ersehen» — das hebr. `yirʾeh` («wird ersehen») ist das Schluesselwort der Erzaehlung (V. 14: `JHWH yirʾeh` als Ortsname; «im Berg JHWHs wird ersehen werden»). LXX Rahlfs `Ὁ θεὸς ὄψεται ἑαυτῷ πρόβατον` haelt das Wortspiel bei. **Joh 1,29 patristisch-christologisch** — `ἴδε ὁ ἀμνὸς τοῦ θεοῦ` («siehe das Lamm Gottes») wird seit Origenes (Comm. in Joh. VI,53) als Erfuellung von Gen 22,8 gelesen: das Schaf, das Gott sich ersehen hat, ist Christus. Juedisch (Bereshit Rabba 56,4; Targum Pseudo-Jonathan): das Wort wird auf den Widder V. 13 gedeutet, der seit der Schoepfung dazu bestimmt war.
- Gen 22,12 כִּי עַתָּה יָדַעְתִּי — MT `ki ʿattah yadaʿti` «denn nun habe ich erkannt» — anthropomorphes Schluss-Wort: hat Gott vorher *nicht* gewusst, ob Abraham ihn fuerchtet? Klassische Auslegungs-Frage. Patristik (Augustin De civ. Dei XVI,32; Chrysostomus Hom. in Gen. 47): das «Erkennen» betrifft nicht Gottes Allwissenheit, sondern den oeffentlichen Erweis von Abrahams Glauben (vgl. Jak 2,21-22, wo Abraham «aus Werken gerechtfertigt» wird, weil sein Glaube «in den Werken vollkommen wurde»). Juedisch (Bereshit Rabba 56,7): «nun habe ich Stoff, dem Satan zu antworten». LXX `νῦν γὰρ ἔγνων ὅτι φοβῇ τὸν θεὸν` haelt die Anthropomorphie bei.
- Gen 22,13 אַיִל אַחַר נֶאֱחַז בַּסְּבַךְ — MT `ayil achar` «ein Widder *hinter*» (sc. Abraham) — kleine Mss-Variante: einige hebr. Hss + Sam-Pent + LXX + Vulg lesen `ayil echad` («*ein einziger* Widder») statt `achar` («hinter»). Gleiche Konsonanten (אחר vs אחד), Verwechslung resh/dalet. LXX `κριὸς εἷς` («ein Widder»; nicht `opisthen`/`achar`). Wevers Gen-App. notiert die Variante; BHS-App. ebenfalls. Vulgata `arietem inter vepres haerentem cornibus` (folgt LXX, kein «hinter»). Patristik liest meist nach LXX `unus aries` und betont den **einzigen Widder als Christus-Typos** (Origenes Hom. in Gen. VIII,9: «der Widder ist Christus, der die Hoerner — die Macht — am Kreuze ausbreitet»).
- Gen 22,14 יְהוָה יִרְאֶה ... בְּהַר יְהוָה יֵרָאֶה — MT-Wortspiel `yirʾeh` («wird ersehen», aktiv) im Ortsnamen, `yeraʾeh` («wird ersehen werden», passiv) im Sprichwort — beide Verbformen aus derselben Wurzel `r-ʾ-h`. Targum Onkelos paraphrasiert beide als «hier werden die Generationen anbeten» — implizite Verbindung mit dem Tempel. LXX `Κύριος εἶδεν, ἵνα εἴπωσιν σήμερον Ἐν τῷ ὄρει κύριος ὤφθη` (Aorist passiv `ophthe` — «wurde gesehen»). Patristik (Hieronymus QHG): die LXX-Aenderung von «wird ersehen werden» (Futur passiv) zu «wurde gesehen» (Aorist passiv) wird als prophetischer Verweis auf die Erscheinung Christi am Tempelberg verstanden. Juedische Tradition (Pirke de-Rabbi Eliezer 31): das Wortspiel begruendet den Heiligkeits-Status des Berges fuer alle kuenftigen Geschlechter.
- Gen 22,18 וְהִתְבָּרֲכוּ בְזַרְעֲךָ — MT `we-hitbarchu be-zarʿacha` «und sich segnen werden in deinem Samen» — Hitpaʿel reflexiv-reciprok («sich gegenseitig segnen»; oder reflexiv «sich Segen wuenschen»). Wiederholt Gen 12,3 (`we-nivrechu` Niphal — «werden gesegnet werden», passiv). Klassische Diskussion seit Raschi (Niphal passiv) vs. Ibn Ezra (Hitpaʿel reflexiv: die Voelker werden Israel als Beispiel des Segens nehmen). LXX uniformiert beide Stellen mit `ἐνευλογηθήσονται` (Futur passiv) — beguenstigt die passive Lesart. **Gal 3,16** (Paulus) zitiert die Stelle und liest `zerʿacha`/`σπέρμα` als **Singular** christologisch auf Christus: «er sagt nicht: in deinen Samen, als von vielen, sondern als von einem: in deinem Samen, der Christus ist». Eine der wichtigsten Schriftbeweise paulinischer Christologie.
LXXἙβδομήκοντα
²²·¹ Καὶ ἐγένετο μετὰ τὰ ῥήματα ταῦτα ὁ θεὸς ἐπείραζεν τὸν Αβρααμ καὶ εἶπεν πρὸς αὐτόν Αβρααμ, Αβρααμ ὁ δὲ εἶπεν Ἰδοὺ ἐγώ.
² καὶ εἶπεν Λαβὲ τὸν υἱόν σου τὸν ἀγαπητόν, ὃν ἠγάπησας, τὸν Ισαακ, καὶ πορεύθητι εἰς τὴν γῆν τὴν ὑψηλὴν καὶ ἀνένεγκον αὐτὸν ἐκεῖ εἰς ὁλοκάρπωσιν ἐφ' ἓν τῶν ὀρέων, ὧν ἄν σοι εἴπω.
¹³ καὶ ἀναβλέψας Αβρααμ τοῖς ὀφθαλμοῖς αὐτοῦ εἶδεν, καὶ ἰδοὺ κριὸς εἷς κατεχόμενος ἐν φυτῷ σαβεκ τῶν κεράτων.
(Wevers Gen 1974, krit. App. fuer V. 2 `τὴν ὑψηλὴν` mit Varianten Μωρια / Αμωρια — siehe APP)
TRΜεταφράσεις
²²·¹ Und es geschah nach diesen Dingen, daß Gott den Abraham versuchte; und er sprach zu ihm: Abraham! Und er sprach: Hier bin ich.
² Und er sprach: Nimm doch deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebhast, den Isaak, und ziehe hin in das Land Morija, und opfere ihn dort als Brandopfer auf einem der Berge, den ich dir nennen werde.
[…]
⁷ Und Isaak sprach zu seinem Vater Abraham und sagte: Mein Vater! Und er sprach: Hier bin ich, mein Sohn. Und er sprach: Siehe, das Feuer und das Holz; wo aber ist das Schaf zum Brandopfer?
⁸ Und Abraham sprach: Gott wird sich das Schaf zum Brandopfer ersehen, mein Sohn. Und sie gingen beide miteinander.
[…]
¹¹ Da rief ihm der Engel des HERRN vom Himmel her zu und sprach: Abraham, Abraham! Und er sprach: Hier bin ich.
¹² Und er sprach: Strecke deine Hand nicht aus nach dem Knaben und tue ihm gar nichts! Denn nun habe ich erkannt, daß du Gott fuerchtest und mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten hast.
¹³ Und Abraham erhob seine Augen und sah, und siehe, ein Widder war hinter ihm im Dickicht festgehalten an seinen Hoernern; und Abraham ging hin und nahm den Widder und opferte ihn als Brandopfer an seines Sohnes Statt.
¹⁴ Und Abraham gab diesem Ort den Namen: Der HERR wird ersehen; daher heute gesagt wird: Auf dem Berge des HERRN wird ersehen werden.
[…]
¹⁸ Und in deinem Samen werden sich segnen alle Nationen der Erde dafuer, daß du meiner Stimme gehorcht hast.
²²·¹ Now it came about after these things, that God tested Abraham, and said to him, "Abraham!" And he said, "Here I am."
² He said, "Take now your son, your only son, whom you love, Isaac, and go to the land of Moriah, and offer him there as a burnt offering on one of the mountains of which I will tell you."
[…]
⁷ Isaac spoke to Abraham his father and said, "My father!" And he said, "Here I am, my son." And he said, "Behold, the fire and the wood, but where is the lamb for the burnt offering?"
⁸ Abraham said, "God will provide for Himself the lamb for the burnt offering, my son." So the two of them walked on together.
[…]
¹¹ But the angel of the LORD called to him from heaven and said, "Abraham, Abraham!" And he said, "Here I am."
¹² He said, "Do not stretch out your hand against the lad, and do nothing to him; for now I know that you fear God, since you have not withheld your son, your only son, from Me."
¹³ Then Abraham raised his eyes and looked, and behold, behind him a ram caught in the thicket by his horns; and Abraham went and took the ram and offered him up for a burnt offering in the place of his son.
¹⁴ Abraham called the name of that place The LORD Will Provide, as it is said to this day, "In the mount of the LORD it will be provided."
[…]
¹⁸ "In your seed all the nations of the earth shall be blessed, because you have obeyed My voice."
KKΚριτικά υπομνήματα 6
- Claus Westermann, Genesis 12–36 (BKAT I/2) (1981), 429–457 — Massgebliche literarkritische Analyse — Akeda als E-Quellen-Erzaehlung (Elohim V. 1.3.8.9.12, JHWH erst V. 11.14.15-18 mit Engel-Rede); V. 15-18 als sekundaere Anfuegung («zweite Engel-Anrede»).
- Gordon J. Wenham, Genesis 16–50 (WBC 2) (1994), 99–117
- John Skinner, Genesis (ICC) (1910), 327–334
- Jon D. Levenson, The Death and Resurrection of the Beloved Son (1993) — Klassisch-juedischer Beitrag: Akeda als Hintergrund der christlichen Sohn-Opferungs-Theologie und der juedischen Akeda-Suehne-Tradition; argumentiert eine gemeinsame antike Vorstellung des geliebten Sohnes.
- Erich Auerbach, Mimesis: Die dargestellte Wirklichkeit in der abendlaendischen Literatur (1946), Kapitel 1 («Odysseus' Narbe») — Beruehmte literaturwissenschaftliche Lekture: Akeda als Paradigma der biblischen Erzaehlweise («fragmentarisch, hintergruendig, deutungsbeduerftig») gegen die homerische («vordergruendig, ausgemalt»).
- Soeren Kierkegaard, Furcht und Zittern (Frygt og Bæven) (1843) — Philosophische Klassik: Abraham als «Ritter des Glaubens», die «teleologische Suspension des Ethischen», das Schweigen Abrahams als Glaubens-Akt jenseits aller Vermittlung.
KATΣειρές (Catenae) 7
- Catena in Genesim (Petit) (TEG 4, ad Gen 22) — Origenes (Hom. in Gen. VIII), Eusebius, Diodor von Tarsus, Chrysostomus, Theodoret, Severus.
- Origenes, Homiliae in Genesim VIII (GCS 29 (Baehrens) / SC 7bis) — **Klassische patristische Akeda-Auslegung** — Akeda als typologische Vorabbildung der Vater-Sohn-Opferung Gottes; Isaak traegt das Holz wie Christus das Kreuz (V. 6); der Widder im Dickicht ist Christus mit Dornenkrone (V. 13); Berg Morija ist Golgota.
- Augustinus, De civitate Dei XVI,32 (CCSL 48) — Lateinische Klassik — Akeda als Glaubens-Erweis, Erklaerung des `ki ʿattah yadaʿti` als oeffentliche Manifestation.
- Hieronymus, Quaestiones hebraicae in Genesim (CCSL 72, ad Gen 22) — Wichtige hebr.-griech. Variantenkollation; Identifikation Morija = Tempelberg.
- Justin Martyr, Dialogus cum Tryphone 86, 89 (PG 6) — Akeda als christologischer Typos im Dialog mit dem Juden Tryphon — Isaaks Holz, Widders Hoerner als Kreuz.
- Bereshit Rabba 55-57 ((Theodor-Albeck)) — Klassische rabbinische Akeda-Auslegung — Suehne-Wert der Akeda fuer alle Generationen Israels (`zechut Avot`, «Verdienst der Vaeter»); 10-fache Pruefung Abrahams; Isaak als Mit-Akteur («wenn ich gefesselt werde, bin ich nicht mit fest»).
- Targum Pseudo-Jonathan, Gen 22 ((Aram. Targumim)) — Wichtigste juedische Akeda-Quelle — Isaak ist 37 Jahre alt (kein Kind!), bittet selbst um seine Bindung; der geopferte Widder war seit Welt-Schoepfung dazu bestimmt; die Akeda-Asche liegt vor dem Thron Gottes als ewige Suehne.
EXΕρμηνευτικά υπομνήματα 6
- Gerhard von Rad, Das erste Buch Mose: Genesis (ATD 2/4) (1949 (9. Aufl. 1972)), 188–202
- Walter Brueggemann, Genesis (Interpretation) (1982), 185–194
- Nahum M. Sarna, Genesis (JPS Torah Commentary) (1989), 150–155
- Bruce K. Waltke, Genesis: A Commentary (2001), 300–315
- Terence E. Fretheim, Genesis (New Interpreter's Bible 1) (1994), 494–501
- Robert Alter, Genesis: Translation and Commentary (1996), 101–107
§A 12 — die **Akeda** (עֲקֵדָה «Bindung») — ist die theologisch dichteste Stelle des Pentateuch und Knotenpunkt dreier Auslegungs-Traditionen: christlicher Vater-Sohn-Typologie, juedischer Suehne-Theologie, philosophischer Glaubens-Reflexion. Drei klassische theologische Achsen: 1. **Christologische Typologie (patristisch)** — Isaak traegt das Holz wie Christus das Kreuz (V. 6); LXX `ho agapetos` «der geliebte Sohn» (V. 2) klingt in der Synoptiker-Taufe und Verklaerung wieder (Mk 1,11; 9,7; Mt 3,17; 17,5; Lk 3,22; 9,35); der Widder im Dickicht ist Christus mit Dornenkrone (V. 13); Berg Morija = Tempelberg (2Chr 3,1) = Golgota. Origenes Hom. in Gen. VIII; Justin Dial. 86.89; Tertullian Adv. Iud. 10; Augustin De civ. Dei XVI,32; Hieronymus QHG. 2. **Akeda-Suehne (juedisch)** — Bereshit Rabba 55-57, Targum Pseudo-Jonathan, Yom-Kippur-Liturgie: die Akeda hat **ewige Suehne-Kraft** fuer alle Generationen Israels. Die Asche des Widders liegt vor Gottes Thron, wenn Israel suendigt, sieht Gott die Akeda und vergibt. Isaak ist im Targum 37 Jahre alt, bittet selbst um seine Bindung, ist Mit-Akteur, nicht passives Opfer. 3. **Philosophische Glaubens-Reflexion (modern)** — Soeren Kierkegaards «Furcht und Zittern» (1843): Abraham als «Ritter des Glaubens», die «teleologische Suspension des Ethischen» — der Glaube ist hoeher als die Sittlichkeit, und das macht Abraham zum Ungeheuer fuer die Vernunft und zum Helden fuer den Glauben. Erich Auerbachs «Mimesis»: Akeda als Paradigma der biblischen Erzaehlweise — fragmentarisch, hintergruendig, deutungsbeduerftig. NT-Echos zentral: - **Heb 11,17-19** — Akeda als Glaubens-Beispiel par excellence; Abraham «opferte den Isaak ... gerechnet, dass Gott auch aus Toten zu erwecken vermoege, woher er ihn auch im Gleichnis erhalten habe». Erste explizite Akeda-Auferstehungs-Lekture. - **Jak 2,21-23** — Akeda als Glaubens-Werke-Beweis; Abraham «wurde aus Werken gerechtfertigt, als er seinen Sohn Isaak auf dem Altar opferte»; Glaube «wurde in den Werken vollkommen». - **Roem 4,16-22** — Paulus liest die Akeda zusammen mit der Verheissungs-Erfuellung Gen 15,6 («Abraham glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet»); paulinische Glaube-Werke-Dialektik mit Jak in Spannung. - **Roem 8,32** — paulinische Akeda-Anspielung: «der seinen eigenen Sohn nicht verschont hat (`ouk epheisato`), sondern ihn fuer uns alle dahingegeben hat» — direkte Ruecknahme von LXX Gen 22,12 `ouk epheiso tou hyiou sou` («du hast deinen Sohn nicht verschont»). Paulus stellt die Vater-Liebe Gottes der Vater-Liebe Abrahams gegenueber: was Abraham bereit war zu tun, hat Gott wirklich getan. - **Joh 1,29; 1,36** — Johannes der Taeufer `ide ho amnos tou theou` («siehe das Lamm Gottes») als Erfuellung von Gen 22,8 («Gott wird sich das Schaf ersehen»). - **Gal 3,16** — Paulus liest Gen 22,18 `be-zarʿacha` / `en to spermati sou` («in deinem Samen werden gesegnet werden alle Voelker») christologisch auf Christus: Singular «Same» = Christus, nicht Plural «Nachkommen».